Zwischen Achtsamkeit und Absurdität – wenn Techniken nicht greifen

Zwischen Achtsamkeit und Absurdität – wenn Techniken nicht greifen

Ich bin ein großer Fan von Achtsamkeit. In meiner Arbeit als Coaching und auch ganz persönlich.
Atemübungen, bewusste Körperwahrnehmung, das Beobachten von Gedanken und Gefühlen – all das kann unglaublich kraftvoll sein. Gerade wenn es darum geht, Emotionen zu regulieren, Stress zu begegnen, Fokus zu finden, sich selbst besser wahrzunehmen.

Und gleichzeitig beschäftige ich mich immer auch mit der Frage:
Was, wenn Achtsamkeit nicht funktioniert?

Denn das tut sie nicht immer. Nicht in jeder Situation. Nicht bei jedem Thema.

Ein Beispiel aus meiner Praxis hat mir das kürzlich noch einmal besonders deutlich gemacht:

Eine Klientin schilderte mir, wie sie immer wieder in beruflichen Kontexten getriggert wurde – eine bestimmte Kombination aus Blicken, Worten und Körpersprache löste starke, fast überwältigende Emotionen in ihr aus. Achtsamkeit half ihr manchmal, aber nicht in den entscheidenden Momenten.

Also haben wir etwas anderes probiert und die Klientin entwickelte eine eigene Strategie: Sie stellte sich in genau diesen Momenten vor, wie ihr Gegenüber plötzlich mit Donald-Duck-Stimme spricht. Oder wie er in einem rosa Tutu durch den Konferenzraum tanzt.
Absurde Bilder, absurde Gedanken.
Und das Überraschende: Es half.

Diese absurde Perspektivverschiebung war für sie wie ein Kurzschluss im gewohnten Reaktionsmuster. Statt in den alten Trigger zu rutschen, entstand Raum für neue Möglichkeiten. Für Handlungsspielraum. Für Selbstwirksamkeit.

Natürlich: Diese Technik ersetzt keine tiefere Auseinandersetzung mit den Ursachen. Die darf – und sollte – folgen. Und hier können Achtsamkeit und andere somatische Methoden wieder ihre volle Kraft entfalten.

Aber ich nehme aus diesem Beispiel etwas Wichtiges mit:
Manchmal braucht es kreative, absurde, vielleicht sogar unlogische Wege, um ein Muster zu unterbrechen.
Nicht statt, sondern ergänzend zu Achtsamkeit.

Denn manchmal beginnt Veränderung nicht mit einem ruhigen Atemzug –
sondern mit einem imaginären Tutu im Kopf und einem inneren Kichern.

Kommentar verfassen

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

Entdecke mehr von hanna obersteller

Jetzt abonnieren, um weiterzulesen und auf das gesamte Archiv zuzugreifen.

Weiterlesen